Sicario – Review

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Never judge a book by its cover – ein Spruch, der sowohl für geschriebene Werke seine Geltung hat, als auch für Filme. Betrachtet man bei „Sicario“ nämlich lediglich das generisch aussehende Cover, den für viele wohl unbekannten und nichtssagenden Titel, sowie die Zahlen der verkauften Tickets an den Kassen der deutschen Kinos, so wird man wohl kaum mehr erwarten als einen weiteren x-beliebigen Hollywood-Actionstreifen. Warum dies aber bei weitem nicht der Fall ist und die Gründe, weswegen ihr dem vom kanadischen Regisseur Denis Villeneuve dreifach für den Oscar nominierten Film aus dem Jahr 2015 unbedingt eine Chance geben solltet, das erfahrt ihr in meinem Review.   

Um was geht es?
Seit Jahrzehnten herrscht an der Grenze zwischen Mexiko und den USA ein unerbittlicher, grausamer und scheinbar hoffnungsloser Drogenkrieg. Immer wieder werden Menschen von Auftragsmördern, den sogenannten Sicario, entführt und auf bestialische Art und Weise ermordet.
Kate Mercer (Emily Blunt) gehört einer dem FBI zugehörigen SWAT-Einheit an, welche sich im US-Bundesstaat Arizona auf die Bekämpfung dieser Art von Verbrechen spezialisiert hat. Bei einer Razzia in einem urban gelegenen Haus kommt es neben einem tödlichen Anschlag auf zweier ihrer Kollegen zum Fund unzähliger, in den Wänden des Hauses versteckter, Leichen.
Um dem dafür verantwortlichen mexikanischen Drogenkartell entgegenzuwirken wird eine Taskforce unter der Leitung des Regierungsbeauftragten Matt Craver (Josh Brolin) und des kolumbianischen Staatsanwalts Alejandro Gillick (Benicio del Toro) ins Leben gerufen und Kate bekommt die Chance sich der Truppe anzuschließen.
Ihr erster Auftrag führt sie schon wenige Stunden später in die mexikanische Grenzstadt Juarez, um einen Gefangenen in die USA zu überführen.

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Ein tolles Trio
Betrachtet man die Charaktere der drei Hauptdarsteller Blunt, del Toro und Brolin, so ist es lediglich letzterer, dessen Figur oftmals zu stark in das Klischee des coolen, militaristischen Hardliners abdriftet. Brolin vermag dieses Defizit aber stets durch seine schauspielerische Klasse auszugleichen.
Emily Blunt und Benicio del Toro jedoch gebührt ein Sonderlob. Während Blunt ihrer Figur Kate Mercer vor allem ein großes Facettenreichtum spendiert und den Zuschauern durch ihre Augen das Grauen der Geschehnisse verdeutlicht, etabliert del Toro einen mysteriösen und schwer durchschaubaren Charakter mit einer stets bedrohlich wirkenden Aura.

Schaut man sich hingegen den Kontrapart in Form der mit dem mexikanischen Drogenkartell in Verbindung stehenden Figuren an, so macht Sicario an dieser Stelle leider deutliche Einschnitte. Es wird zwar ab und an versucht das schwarz-weiße Gebilde der Charakterisierung ein klein wenig aufzulockern, aber letztendlich wird dieser Versuch nicht konsequent durchgezogen und versackt zu stark im stereotypischen Einheitsbrei. Das ist zwar schade, da hier Potential verschenkt wurde, tut dem insgesamt aber durchaus positiven Eindruck hinsichtlich der Figuren keinen Abbruch.

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Die Musik machts
Kommen wir aber zum absoluten Highlight von Sicario, der Musik. Oftmals werden bei der Beurteilung eines Films vordergründig die Punkte der Handlung, der Charaktere und speziell bei Actionfilmen, die Technik in den Vordergrund gerückt.
Das Werk von Denis Villeneuve versteht es aber wie kaum ein anderer Film eine unglaublich dichte und beklemmend Atmosphäre durch seinen orchestralen Score zu erzeugen. Nicht ohne Grund wurde Sicario bei der diesjährigen Oscarverleihung u.a. in den Kategorien „Beste Filmmusik“ und „Bester Tonschnitt“ nominiert.
Auch wenn die Preise letztlich anderweitig vergeben wurden, so ist es schier beeindruckend, wie einem die tiefen Töne der Streicher und Pauken in die Magengrube fahren.

Ein weiterer Punkt, der maßgeblich die Stimmung des Films prägt, ist die hervorragend eingesetzte Kamera. Von Beginn an wird man durch sie mitten in die action-und spannungsgeladenen Geschehnisse hineingezogen. Speziell bei einer Szene im mittleren Teil des Films, welche in militärischer Nachtsichtoptik gedreht wurde,  kann man die klaustrophobisch wirkende, bedrohlich düstere Atmosphäre spüren und fühlt sich, wie einst ein deutscher Sportsender warb, mittendrin statt nur dabei.

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Fazit
Das Licht aus, die Boxen aufgedreht, auf diese Art werdet ihr mit Sicario, immer gemäß dem Fall, ihr könnt etwas mit Actionfilmen anfangen, eine Menge Spaß haben. Speziell die Atmosphäre, welche durch eine tolle Filmmusik und eine sehr gute Kamera eingefangen wird,  lässt einen des Öfteren den Atem stocken und versetzt einen mitten in die düsteren Ereignisse des brutalen Drogenkriegs entlang der mexikanischen Grenze. Auch auf schauspielerischer Ebene kann Sicario voll und ganz überzeugen, was angesichts der hochgradigen Besetzung auch zu erwarten war.

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