Löw streicht Kruse aus DFB-Kader – Kommentar

Max Kruse

Wenn Fußballer auf der Titelseite der großen deutschen Zeitungen als Topthema auftauchen, dann hat das meist zwei Gründe: Entweder sie haben sportlich betrachtet Großes geleistet, d.h. in den meisten Fällen ein unglaublich wichtiges Tor erzielt, oder aber, sie sind in einen handfesten Skandal verwickelt.
Auf den Wolfsburger Offensivallrounder Max Kruse trifft in den letzten Tagen und Wochen vor allem zweiter Punkt zu. Aber von vorn.

Im Oktober vergangenen Jahres berichtete die BILD, Kruse habe in den Morgenstunden in einem Berliner Taxi die Summe von 75000 Euro verloren. Das Thema schlug seiner Zeit medial hohe Wellen und bekam durch die Reaktion des VFL Wolfsburg hinsichtlich dieser Angelegenheit noch das i-Tüpfelchen verpasst. Als wäre es für den Bundesligaprofi nicht schon peinlich genug gewesen, diese enorme Summe verloren zu haben, so beschloss der Verein zusätzlich, Kruse eine Geldstrafe von 25000 Euro aufzuerlegen. Die Begründung damals von VFL-Geschäftsführer Klaus Allofs lautete:

„Wenn man Bundesligaprofi ist, kann das wunderschön sein, aber man steht auch unter Beobachtung. Man muss sein Verhalten immer darauf abstimmen, dass es keine Negativ-Schlagzeilen für sich und den Arbeitgeber gibt. Das haben wir klargestellt.”

Das durch die Sanktion die ganze Angelegenheit allerdings nur noch peinlicher wurde, hatte Allofs wohl nicht bedacht.

Kommen wir aber nun zum aktuellen Auslöser, der Grund dafür war, warum Joachim Löw, seines Zeichens Weltmeistertrainer der deutschen Nationalmannschaft,  Max Kruse aus dem Kader für die beiden Testländerspiele gegen England (26.3) und Italien (29.3) kurzerhand rausgeschmissen hat.

Der Spieler feierte am Samstag in einem Berliner Club seinen 28. Geburtstag. Dort wurde er mehrfach von einer Dame ungefragt fotografiert, woraufhin Kruse ,darüber verärgert, eigenhändig die Bilder löschte. Was er allerdings nicht wusste: Bei der Dame handelte es sich um eine Reporterin der BILD-Zeitung. Die Folgen sollten jedem Leser klar sein und nein, am nächsten Tag wurde nicht über ein wichtiges Tor Kruses auf der Titelseite berichtet.
Das der Verein Kruse auch hier eine Strafe von 25000 Euro aufbrummte, muss wohl als Geburtstagsgeschenk der besonderen Art zu verstehen sein.
Desweiteren muss erwähnt werden, dass Kruse bereits vor der letzten Weltmeisterschaft Ende 2013 aus dem DFB-Kader aufgrund eines Fehlverhaltens gestrichen wurde. Der damalige Grund war ein unerlaubter Damenbesuch im Vorfeld des Testspiels gegen England.

Eines sei an dieser Stelle vorweggenommen: Das Kruse sich in keinem der oben aufgeführten Fälle besonders klug oder gar wie ein Medienprofi verhalten hat, das wird ihm auch selbst mehr als bewusst sein. Aber, und hier kommt ein ganz großes „aber“ ins Spiel. Darf nicht auch ein sehr gut bezahlter junger Fußballer in der heutigen Zeit Fehler machen? Und wenn ich hier „Fehler“ schreibe, dann ist dies schon ein starkes Wort für den Fakt, dass er, bezogen auf die aktuellen Fälle, Geld verloren und seinen Geburtstag gefeiert hat.
Spieler von früher sagen in Interviews oder in Talkrunden oft den Satz „Was er am Abend zuvor gemacht hatte, war egal, hauptsache die Leistung am nächsten Tag auf dem Feld stimmte.
Sollte also trotz des ganzen medialen Hypes um den Fußball als Sportart Nummer 1 in Deutschland, der Vorbildfunktion etc., letztendlich nicht das Können auf dem Rasen für den Platz in einem DFB-Team bis zu einem gewissen Grad des Fehlverhaltens ausschlaggebend sein?
Wenn ich hier „gewissen Grad des Fehlverhaltens“ schreibe, dann sind damit Vorkommnisse gemeint, die absolut inakzeptabel sind. Beispielsweise mit Essen auf Leute zu schmeißen. Spaß beiseite Kevin Großkreutz, der übrigens aufgrund seiner „Skandale“ vor der WM nicht aus dem Kader geschmissen wurde.

Wenn ihr im Fall Kruse anderer Meinung seid und sagt, dass Joachim Löw hier absolut richtig reagiert hat, dann würde mich eure Meinung in den Kommentaren sehr interessieren. Wer gleicher Ansicht ist, der darf dies selbstverständlich auch kommentieren.

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